Teilnehmerbericht 2012




Meine erste Woche in Taizé

Im Pfarrbrief für Juni bis August lese ich einen Bericht von Ulrike Wentzke über eine Reise mit den Firmbewerbern nach Taizé. Dort möchte ich schon so lange hin! Da sie auf wenige freie Plätze für die nächste Fahrt im Juli hinweist, schiebe ich Bedenken beiseite (bist du nicht zu alt mit 57?) und melde mich an.

An einem Samstag im Juli finde ich mich auf dem S-Bahnhof Poppenbüttel ein, zusammen mit vielen Jugendlichen aus unserer Gemeinde und einer weiteren Erwachsenen. Am Hauptbahnhof stoßen Jugendliche aus St. Wilhelm und aus Bergedorf zu uns. Mit über 40 Personen füllen wir fast allein den Großraumwagen nach Freiburg. Ich kann die Jugendlichen von einer neutralen Position aus betrachten, denn ich bin hier weder Mutter noch Betreuerin. Wie schön, nur für mich unterwegs zu sein! So lerne ich einige kennen.

In Freiburg steigen wir in einen Reisebus um und kommen gerade noch rechtzeitig zur Andacht am Samstag Abend an, die jeden Samstag eine „Nacht der Lichter“ ist. Aber zunächst sehe ich auf dem riesigen Parkplatz junge Menschen, die weinend (!) von Taizé und neuen Freunden Abschied nehmen.

In der Andacht habe ich keine Kerze, bekomme aber sofort die brennende Kerze meiner Nachbarin. Später berichtet mir Ruth Cook, dass ihr Mann und sie nach vielen Taizé-Besuchen ihre Pensionierung in England als Chance begriffen haben, in die unmittelbare Nähe von Taizé zu ziehen. In ihrem neuen Haus betreuen sie nun individualreisende Taizé-Besucher.

In „meiner“ Taizé-Woche sind wir 4.000 Menschen auf dem Gelände, darunter 400 Erwachsene. Die Communauté de Taizé nimmt die Menschen auf, die kommen (es sind 500 mehr gekommen als erwartet) und sorgt mit vielen Freiwilligen dafür, dass für alles Notwendige gesorgt ist. Auch jeder Besucher bekommt innerhalb eines Teams eine Aufgabe.

Ich fühle mich wohl mit vier anderen Frauen in einem karg, aber ausreichend eingerichteten Barackenzimmer. Ich fühle mich wohl in der Warteschlange für die Duschen und beim Frühstück unter freiem Himmel, das aus einem Brötchen, etwas Butter, harter Schokolade und einem Heißgetränk besteht. Ich fühle mit weltoffen und offen für andere Menschen, als ich mit Christopher, 32, aus Malmö an unserem riesigen Abwaschtrog stehe. Er wäscht sehr schnell ab, denn er war lange Tellerwäscher. Hätte ich einen Menschen wie ihn in Hamburg kennengelernt? Ich vermisse auch nicht den Strom, der in unserer Baracke drei Tage lang ausfällt, wir alle fragen nicht einmal nach der Ursache.

Denn wir sind tief innen zufrieden. Ich bin erfüllt von dem Studium der drei Bücher des Propheten Jesaia im Alten Testament, in das uns jeden Morgen Frère Pedro aus Spanien in unserem riesigen Zelt in seinem ganz persönlichen Englisch einführt. Für jede Nationalität findet sich ein Übersetzer oder eine Übersetzerin. Nachmittags denke ich mit acht anderen Menschen über die Fragen nach, die Frère Pedro uns zum Abschluss jeden Morgens stellt, etwa:„Wie hat Gott deine Aufmerksamkeit in deinem Leben bekommen?“ oder „Was ist der Gottesdienst, den Gott von uns erwartet? Wer sind die Witwen und Waisen unserer Zeit?“ Wie interessant ist es, die Gedanken der Gruppe dazu zu hören! Daneben erfahren wir viel aus unserem Leben. Das ist an anderen Orten so wohl nicht möglich.

Am neunten Tag muss ich Abschied nehmen.

Was bringe ich nach Hause?

Viele neue Adressen und eine Fast- Freundin, Fotos, die Erfahrung, wie wenig Materielles für ein gutes Leben nötig ist und die Erfahrung, dass abgestelltes Gepäck auch noch nach zwölf Stunden unversehrt auf mich wartet, den Vorsatz, nicht auf den ersten Blick zu urteilen, ein Gefühl großer Gelassenheit ……das und noch mehr, was mich im Leben weiterbringt. Ich habe meinen inneren Kompass geschärft.

Manuela Gnauck-Stuwe

 

Taizé-Fahrt vom 28.4. bis 6.5.2012

In diesem Jahr fuhr ich zum 7. Mal mit diesmal 84 Personen nach Taizé.

Angeboten wird die Fahrt vor allem für die Firmbewerber, aber Taizé steckt an. Deshalb schlossen sich wieder Jugendliche aus den letzten Firmjahrgängen, einzelne Freunde aus anderen Gemeinden und eine kleine Gruppe Erwachsener uns an.

Die Tage dort sind strukturiert: gemeinsam mit ca. 100 Brüdern aus verschiedenen Kontinenten und verschiedenen christlichen Konfessionen gibt es 3 Gebetszeiten am Tag, Bibeleinführungen, kleine Gesprächsgruppen, gemeinsame Mahlzeiten und praktische Mitarbeit, wie Essensausgabe und Reinigungstätigkeiten.

Vor allem die Gebete in der „Kirche der Versöhnung“ sind so ganz anders als hier bei uns in St. Bernard. In der Kirche zu sitzen mit 2000 anderen Menschen und gemeinsam zu singen und zu beten ist sehr beeindruckend. Mittelpunkt jedes Gebetes ist eine „Stille Zeit“. Sie lässt einen ganz zur Ruhe kommen, beten und über das eigene Leben nachdenken.

Die Jugendlichen sind trotz des sehr einfachen Essens, der schlichten Unterkunft, dem Schlangestehen an den Duschen zufrieden. Es wird ihnen bewusst, wie wenig man eigentlich an Materiellem benötigt. Begeistert sind sie von der Erfahrung, viele Jugendliche auch aus anderen Kulturen kennenzulernen. In Taizé sind alle offen und das Kontakteknüpfen ist ganz einfach.

Die Atmosphäre lässt sich nur schwer beschreiben, man muss sie einfach erleben.

In Taizé spürt man, dass dort der Geist Gottes weht.

Ulrike Wentzke