Taizé-Reisebericht Juli 2013





„Taizé  ist für mich wie …ein positiver Schmelztiegel.“

„Als „Herr der Ringe Fan“ habe ich das Auenland gefunden.“

„…ein Ort zwischen Himmel und Erde.“

Vom 20. -28. Juli fuhren wir, eine Gruppe von  insgesamt 35 Jugendlichen, jungen Erwachsenen und einigen Erwachsene aus unterschiedlichen Stadtteilen und Kirchengemeinden Hamburgs unter der Leitung und Organisation von Ulrike Wentzke aus St. Bernard/Poppenbüttel nach Taizé, einem abgelegenen Ort in Burgund in Frankreich. Dort gründete Frère Roger vor weit über einem halben Jahrhundert die Communauté de Taizé. Die Gemeinschaft der Brüder wächst wie ein Sauerteig an, obwohl die Männer verschiedener, manchmal gegensätzlicher konfessioneller, ethnischer, kultureller und sprachlicher Herkunft sind. Warum hat dieser Ort so eine Anziehungskraft für junge Leute und warum hat er so eine Ausstrahlungskraft? 

Taizé-Teilnehmer Juli 2013

Taizé-Teilnehmer Juli 2013

 

Die Aussagen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen Teilnehmer bei einer Reflexionsrunde mit einem der Brüder, Frère Andreas, der bereits 18 Jahre in der Gemeinschaft lebt, vermitteln ein Bild :

„Es ist beeindruckend hier. Wenn einer die Gitarre auspackt, sind gleich viele Interessierte da.“ -“ Hier wird man so akzeptiert, wie man wirklich ist – das gibt Kraft.“ – “ Die Gemeinschaft ist hier wichtig“ und „das Stillwerden“. „Ich kann mich einfach in die Kirche setzen“. „Ich habe meine Probleme mitgebracht – durch das Hiersein löst es sich“. „Ich kann abschalten, kann Probleme einfach lassen und zur Ruhe kommen – so kann ich darüber nachdenken“. „Hier bin ich offen für den Glauben“. „Ich wurde katholisch erzogen, aber habe nicht mehr wirklich geglaubt. Hier fange ich wieder an zu glauben“. „Hier sind evangelisch und katholische Christen zusammen“, „auch Menschen aus so vielen Kulturen und Ländern.“

Frère Andreas erzählte auf Anfrage, was ihm,bzw. Den Brüdern in Taizé wichtig ist: „Eine Konstante über die Jahre war und ist, dass wir Vertrauen in Jugendliche setzen, denn Sie gestalten die Zukunft. Die Solidarität, die Papst Franziskus auch gerade sehr betont, ist wichtiger Bestandteil im Zusammenleben hier und in der ganzen Menschheitsfamilie und der interreligiöse Dialog ist uns wichtig. Wir führen diesen Dialog aus erster Hand, d.h. in der direkten Begegnung mit den Menschen anderen Religionen. So erfahren wir, was jemand glaubt und lebt. Wir sollten nicht das Beste aus der eigenen Religion mit dem Schlechtesten der anderen Religion vergleichen. Dann gibt es noch so etwas wie einen ´heiligen Neid`. Wir schauen auf das Schöne, was es in der anderen Religion gibt. Ein Beispiel: Die Muslime haben z.B. ein zielgerichtetes Gebet nach Mekka.“

Bruder Andreas fragte unsere Jugendlichen: „Was nimmst Du mit in den Alltag? Was müsste sich in Euren Kirchengemeinden verändern, damit sich das hier Begonnene weiter entwickeln kann?“ – „Ich habe Vorurteile abgebaut. Ich bin jetzt offener, vieles Neues kennenzulernen“. „Ich möchte zu Hause den Schritt wagen, Gespräche zu führen“. „Der kulturelle Austausch ist mir wichtiger geworden“, „das Gebet“, „die Stille suchen im Alltag“.  „Der Glaube hat andere, tiefere Facetten“. „Zu Hause“ in Barmbek, Bramfeld, Poppenbüttel, Volksdorf, Bergedorf „können wir beten wie in Taizé“. „Es kann die Orgel spielen, aber auch mal die Gitarre oder andere Instrumente“. „Der Kirchenraum könnte lebendiger gestaltet werden wie hier mit orangen Tüchern/Segeln“.“ Ich nehme eine neue Gelassenheit mit nach Hause“. „Spaß und Spiel ist bei allem Tun wichtig“. „Auch wenn ich mal das Badezimmer putzen muss sag ich mir: Ok! Ich mach das Beste draus!“ -„Meine Herangehensweise kann sich verändern“. „Ich war schon Mal in Taizé und zu Hause wollte ich dann freundlich sein. Selbst bei Freunden bin ich da gegen eine Wand gelaufen! Man wird ausgelacht. Ein Christ ist zu Hause im negativen Sinn abgestempelt.  So verletzen einen sogar Freunde und irgendwie versiegt der Mut dann in das neue Leben“.

Frère Andreas gab uns mit auf den Weg: „Wenn Ihr am Sonntag nach Hause fahrt, dann bringt das Licht und die Freude in die Welt. Ihr könnt die hier gewonnene Freude teilen. Durch unser Leben zeigen wir, wie das Evangelium Jesu Christi die Welt verändert. Um die Kraft nicht zu verlieren, tut Euch in Gemeinschaft zusammen. Trefft Euch und macht Euch gegenseitig Mut.“

Dieses Prinzip praktizieren die Brüder aus Taizé übrigens selbst. Frère Andreas erzählte, dass er jeweils 6 Monate im Ausland und 6 Monate in Taizé lebt. Die Botschaft an uns war klar: „Geht hinaus in alle Welt und verkündet das Evangelium vom menschenfreundlichen Gott.“

Kordula Petrausch   (Gemeindereferentin HH-Bergedorf)